Rudolph Moshammer

AP Photo/Michael Probst

Foto: AP Photo/Michael Probst

Schneider, Modeschöpfer und Autor

Der Modedesigner Rudolph Moshammer entwickelte sich als schillernder Selbstdarsteller zu einer der populärsten Persönlichkeiten der deutschen Medien. Das von Moshammer in den 1960er Jahren auf der Maximilianstrasse eröffnete Modegeschäft avancierte indes zur Münchner Touristenattraktion. Der exzentrische Modeschöpfer machte sich vor allem durch seinen Einsatz für Obdachlose einen Namen als Wohltäter. Sein Tod in der Nacht zum 14. Januar 2005 brachte ein ungeheures Medienecho.

Rudolph Hans Albert Moshammer wurde am 27. September 1940 als Sohn eines Versicherungskaufmanns in München geboren. Über seine Kindheit ist wenig bekannt, nach eigenen Angaben wuchs Moshammer in bescheidenen Verhältnissen bei seiner Mutter Else Moshammer auf, nachdem sein Vater die Anstellung als Versicherungsdirektor verloren hatte. Der Vater hatte die Familie verlassen, geriet in die Obdachlosigkeit und verstarb an den Folgen seiner Alkoholsucht.

Diese Situation schuf zwischen Rudolph Moshammer und seiner Mutter eine starke Bindung. Nach Abschluss der Schule absolvierte Moshammer eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Im Anschluss daran eignete er sich selbst das Schneiderhandwerk an.

Im Jahr 1968 eröffnete Moshammer gemeinsam mit seiner Mutter die Edel-Boutique „Moshammer – Carnaval de Venise“ auf der Münchner Einkaufsmeile Maximilianstrasse Nummer 14.

In den folgenden Jahren feierte das Geschäft so große Erfolge, dass der Person Moshammers ein beachtliches Medieninteresse zuteil wurde. Der Modeschöpfer schneiderte für zahlreiche Showgrößen und Adlige wie Arnold Schwarzenegger, Carl XVI. Gustaf von Schweden, Thomas Gottschalk, Siegfried & Roy & Roy oder den Tenor José Carreras.

In der Rolle des exzentrischen Modeschöpfers inszenierte sich Rudolph Moshammer als Gesamtkunstwerk, das seinen Antrieb aus dem öffentlichen Leben bezog. Regelmäßig sorgte er für Schlagzeilen in einschlägigen Blättern. Als sein Markenzeichen galten die äußere Erscheinung, die sich am Bild von Ludwig II. orientierte, sowie seine ständige Begleiterin, die Yorkshire-Hündin namens Daisy.

Moshammer verdiente mit seinen farbigen und mondänen Herrenanzügen ein Vermögen, das es ihm ermöglichte, eine Villa in München-Grünwald zu beziehen und sich drei exklusive Rolls-Royce-Limousinen mit Fahrer zu leisten. Sein Modegeschäft wurde Anziehungspunkt für Besucher der Stadt und avancierte zur Touristenattraktion. Moshammer etablierte sich in der „besseren Gesellschaft“ als ständiger Gast der exklusivsten Veranstaltungen.

Im Jahr 1993 verstarb die Mutter Moshammers, die bis dahin auch seine engste Vertraute war und mit der er zusammengelebt hatte. Über sein Privatleben wurde während seiner Karriere nicht berichtet.

Moshammer war in München für sein soziales Engagement bekannt. So gründete er die Stiftung Licht für Obdachlose und unterstützte die Münchner Obdachlosenzeitung BISS. Im Jahr 2000 wurde Moshammer für sein Engagement der Martinsmantel der Radioredaktion des Sankt Michaelsbundes verliehen. Im Dezember 2004 wurde Moshammer Pate eines Schwabinger Suchtzentrums für Alkoholkranke. Im selben Jahr begann er mit der Planung zur Gründung eines Obdachlosenheims für 60 Personen.

Darüber hinaus veröffentlichte Moshammer zahlreiche Bücher. Zu den beliebtesten Titeln zählen: „Mama und ich“ (1995), „Elegant Kochen ohne Schnickschnack“ (1997), „Ich, Daisy“ (1998), „Nicht nur Kleider machen Leute“ (2002) und „Mein geliebtes München“ (2002).

Moshammer spielte zuweilen auch kleinere Filmrollen, zum Beispiel in mehreren Tatort-Folgen („Im Herzen Eiszeit“ (1995) zusammen mit Rio Reiser) oder dem Film „666 – Traue keinem, mit dem du schläfst!“ (2002). Auch eine Theaterrolle übernahm er in der Münchner Kleinen Komödie am Max-II-Denkmal. Mit der Band „Münchner Zwietracht“ und dem Titel „Teilt Freud und Leid“ trat Moshammer 2001 bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest an.

Rudolph Moshammer wurde in der Nacht zum 14. Januar 2005 in seinem Doppelhaus im Münchner Vorort Grünwald (Ortsteil Geiselgasteig) mit einem Kabel erdrosselt. Sein Chauffeur fand die Leiche am frühen Morgen und rief umgehend die Polizei. Moshammers Tod löste bei vielen Betroffenheit aus. Wohnhaus und Geschäft waren tagelang von Menschen belagert, die Blumen niederlegten und Kerzen anzündeten.

Bereits am folgenden Tag nahm die Polizei den 25-jährigen Iraker Herisch A. fest, der ebenso wie Moshammer im Münchner Homosexuellenmilieu verkehrte, und der bald darauf die Tat gestand.

Moshammer wurde am 22. Januar 2005 auf dem Münchner Ostfriedhof in einem Mausoleum neben seiner Mutter beigesetzt.

Am 2. November 2005 begann in München der Prozess gegen den geständigen Täter. Während die Staatsanwaltschaft die Tat als heimtückischen Mord auszulegen suchte, plädierten die Strafverteidiger auf Totschlag. Herisch wurde am 21. November 2005 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Moshammer heimtückisch, aus Habgier und zur Ermöglichung eines Raubes erdrosselt hatte. Das Schwurgericht erkannte zudem eine besondere Schwere der Schuld, sodass eine vorzeitige Haftentlassung – auch bei guter Führung – nach 15 Jahren nicht möglich ist. Die Revision blieb erfolglos.

Der Chauffeur und Leibwächter Andreas Kaplan nahm sich des Hundes Moshammers nach dessen Tod an. Er hatte sich schon früher um das Tier gekümmert und war im Testament großzügig berücksichtigt worden. Daisy starb am 24. Oktober 2006 im Alter von 13 Jahren in der Handtasche, in der Moshammer sie oft getragen hatte, an einer Luftröhrenverengung.

(Quelle: Who’s who, Wikipedia)

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