Melitta Bentz

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Hausfrau und Unternehmerin

Im Spätherbst 1908 läutete die Dresdener Hausfrau Melitta Bentz ein neues Kaffeezeitalter ein: Sie erfand den Melitta-Kaffee-Filter. Bentz durchlöcherte den Boden eines Messingtopfes und legte ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes darauf. Endlich gab es Kaffeegenuss ohne das lästige Kaffeepulver zwischen den Zähnen! Als der kaffeesatzfreie Kaffee auf allgemeine Begeisterung stieß, entschloss sich Bentz, Unternehmerin zu werden. Heute ist das von Melitta Bentz gegründete Unternehmen, die Melitta Unternehmensgruppe Bentz KG, eine internationale Gruppe, die von ihren Enkeln Thomas und Stephan geführt wird. Das Produkt wurde bis heute nur wenig verbessert.

Amalie Auguste Melitta Liebscher wurde am 31. Januar 1873 in Dresden als Tochter eines Verlagsbuchhändlers geboren. Sie wird als eine „bemerkenswert hübsche Frau“, tatkräftig und pflichtbewusst, mit gesundem Temperament beschrieben. Ihre Grosseltern besassen in Strehla/Sachsen eine Brauerei.

Welche Schulen sie besuchte und ob sie einen Beruf erlernt hat und ausübtte, ist nicht bekannt. Fest steht, dass sie eine technisch begabte und praktisch denkende Frau gewesen sein muss.

Sie heiratete Johannes Emil Hugo Bentz, Abteilungsleiter in einem Dresdner Kaufhaus. Am 25. Oktober 1899 wurde der gemeinsame Sohn Willy Bentz geboren, fünf Jahre später am 27. Mai 1904 der zweite Sohn Horst Bentz.

Wie so vielen ihrer Zeitgenossen hatte bis dato ein bitterer Nachgeschmack auch Melitta Bentzens Kaffeefreuden getrübt. Man pflegte damals entweder das gemahlene Kaffeepulver einfach ins Wasser zu schütten, das Ganze aufzubrühen und dann durch ein gemeines Sieb zu filtern, oder aber man goss den Sud durch immer denselben muffigen Kaffeebeutel, was begreiflicherweise dem Aroma nicht gerade förderlich war. An jenem Morgen im Spätherbst 1908 ärgerte sich Bentz so sehr über den Kaffeesatz im Mund, dass sie auf Abhilfe sann. Bei ihrem Sohn Willy borgte sie sich ein Löschblatt. Mit Nagel und Hammer durchlöcherte sie siebartig den Boden eines alten Messingtopfs und schnitt dann das Löschpapier so zu, dass es in den Topf passte. Rasch war Kaffeepulver daraufgeschüttet und siedendes Wasser darübergegossen. Langsam tropfte die braune Brühe in die untergeschobene Kanne. Tatsächlich: Das Getränk erwies sich als absolut satzlos und von klarer, tiefbrauner Färbung. In einem Kaffeekränzchen mit ihren Freundinnen musste der Filter seine erste Bewährungsprobe bestehen, und die Damen waren von der Erfindung Melittas begeistert.

Melitta Bentz und ihr Gatte Hugo, hocherfreut ob der geglückten Erfindung, waren sich bald einig, dass auch der Rest der kaffeetrinkenden Menschheit an ihrem Kolumbusei teilhaben sollte. Rechtzeitig zu Weihnachten 1908 gründeten Melitta und Hugo Bentz ihre Firma.

Das kaiserliche Patentamt erteilte am 20. Juni 1908 Gebrauchsmusterschutz, am 15. Dezember wurde das Unternehmen mit einem Eigenkapital von 73 Pfennigen in das Handelsregister eingetragen.

Ihr Ehemann Hugo und ihre Söhne Horst und Willi waren die ersten Mitarbeiter des aufstrebenden Unternehmens. Im Jahr darauf stellten die Bentzens ihren Filter auf der Leipziger Messe aus – mit durchschlagendem Erfolg. Aus allen Teilen des Reichs hagelte es Aufträge. Die Produktionsräumlichkeiten mussten erweitert, neue Maschinen angeschafft und mehr Arbeitskräfte eingestellt werden. 1910 errang die Firma goldene und silberne Medaillen der internationalen Hygieneausstellung und des sächsischen Gastwirtevereins. 1915 und 1920 zog ihr Unternehmen wegen Platzmangels um, 1924 baute man an. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 100.000 Filter produziert worden.

Nach dem Weltkrieg (1925) ging der Aufstieg der Firma Bentz unaufhaltsam weiter. Das Unternehmen blieb lange Zeit konkurrenzlos. Zwar mussten die Melitta-Werke der Familie Bentz nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals ganz unten anfangen, sind jedoch heute mit über 10.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehreren Milliarden weltweit die Nummer eins auf dem Kaffezubehörmarkt – wie schon damals vor gut einem Dreivierteljahrhundert. Der Hauptsitz der Firma liegt im ostwestfälischen Minden.

Melitta Bentz starb am 29. Juni 1950 in Holzhausen an der Porta Westfalica.

(Quelle: diverse)

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One Comment - “Melitta Bentz”

  1. Corinne Says:

    Interessant! Das wusste ich ja gar nicht. Als leidenschaftliche Kaffeetrinkerin hab ich mich öfters gefragt, wo wohl der Ursprung dieser Filter gewesen ist.


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